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Biedermeier Möbel - Der Möbelstil Biedermeier

Kleiner Beistelltisch Biedermeier Säbelbein (Art.-Nr.: 02598)

Kleiner Beistelltisch Biedermeier Säbelbein

Die Bilder zeigen einen kleinen Beistelltisch aus der Zeit des Biedermeier in abgelaugtem Zustand - für 350,- Euro oder von uns restauriert für 610,- Euro [mehr]

Preis
unrestauriert
350,00 €
Preis
restauriert
610,00 €
Art.-Nr.: 02598

Biedermeier Möbel - Das Zeitalter und die Epoche Biedermeier (ca. 1815 bis 1848)

  • Als 'Biedermeier' wird der Zeit­raum vom Ende des Wiener Kongres­ses im Jahr 1815 bis zum Anfang der Bürger­lichen Revo­lution im Jahr 1848 definiert. 1815 wurde in Wien der 'Deutsche Bund' - eine Verei­nigung der 'souveränen Fürsten und freien Städte Deutschlands', des Kaisers von Öster­reich und der Könige von Preußen, Däne­mark und der Nieder­lande - als Bestand­teil einer neuen euro­päischen Friedens­ordnung prokla­miert. 'Biedermeier' (oder auch Romantik) ist die kunst-, literatur- und kultur­geschicht­liche Bezeich­nung für den 'Vormärz'. Die Epoche Vormärz (oder auch 'Restauration') beschreibt die Zeit vom Wiener Kongress 1815 bis zur politisch-sozialen März­revolution im Jahr 1848. Dieses Zeit­alter war politisch durch das Auf­kommen von Libe­ralismus und Nationa­lismus, einem Klima der Verfol­gung und Unter­drückung ge­kenn­zeichnet. Die langsam ein­setzende Phase der Indus­triali­sierung - als zögernder Über­gang vom Agrar­staat zum Industrie­staat - offen­barte wirt­schaftlich häufig soziale Miss­stände. Die aufgrund der Strukturen be­dingte Armut vieler Teile der Bevöl­kerung wurde zu einer charakter­istischen Erschei­nung dieser Zeit (Paupe­rismus).

    'Biedermeier' ist die Bezeich­nung für eine vor­nehm­lich vom Bürger­tum des deutsch­sprach­igen Raums ge­prägte Lebens­weise und einen Kunst­stil der Zeit von 1815 bis 1848. Als eine spätere Form des Klassi­zismus war der Bieder­meier Stil in diesen Jahren vor allem in Deutsch­land, Öster­reich und Skandi­navien präsent. Der Name 'Biedermeier' entstand aus der Ver­bin­dung von "Biedermann" und "Bummelmaier", zweier in der humo­ristischen, reich illus­trierten deutschen Wochen­schrift 'Fliegende Blätter' vor­kommender Typen.

    Nach Napoleons Nieder­lage in Waterloo im Juni 1815 und nach dessen Sturz war das Bürger­tum durch die Neu­ordnung Europas im Wiener Kongress von der Politik weit­gehend aus­geschlos­sen. Das Bürger­tum zieht sich ins Private zurück - konzen­trierte sich auf Gesel­ligkeit inner­halb des Freundes­kreises und auf gemüt­liche Häus­lichkeit im Kreise der Familie. Zudem zeigt sich eine gestei­gerte Ver­bunden­heit mit Garten, Wald und Flur. Im Bieder­meier hat die Erin­ner­ung an die kultu­relle Vergangen­heit einen großen Stellen­wert.

    In Anbetracht der Verarmung Deutsch­lands durch die napoleo­nischen Kriege waren die finanz­iellen Mög­lichkeiten für Kunst und Kultur stark be­schränkt. Dieser Aspekte spiegelte sich dem­ent­sprech­end auch in der Aus­stattung der eigenen Wohn­räume wider. Aus dieser Ein­schränk­ung heraus entstand - ge­tragen von dem Wunsch nach künst­lerischer Schön­heit - ein eigener Stil. Der Bieder­meier Stil ist fast aus­schließlich ein Innen­aus­stattungs-Stil und Möbel­stil. Möbel sind in der Bieder­meier­zeit funkti­onell und dienen nur ein­geschränkt repräsen­tativen Zwecken.

    Die Möglichkeit einer solch behag­lichen und ange­nehmen Lebens­führ­ung hatten aller­dings nur die gut bürger­lichen Kreise dieser Epoche. Die erste Hälfte des 19. Jahr­hun­derts war geprägt von zahl­reichen und welt­verän­dern­den tech­nischen Erfin­dungen. Die Zeit der Früh­indus­triali­sierung - die in etwa mit der Epoche des Bieder­meier einher­geht - im Über­gang zur 'Industriellen Revolution' mit Beginn der Bürger­lichen Revo­lution 1848 führt im rasantem Tempo in die Moderne. Der Groß­teil der Menschen lebte im Elend, dem so­genann­ten 'Pauperismus'. Wenn jemand eine An­stellung hatte, dann bedeu­tete dies zumin­dest sechs Tage zu je zwölf Stunden Arbeit in der Woche.

    Im typischen Bieder­meier Möbel Stil zeigt sich die ideali­sierte, nach innen ge­kehrte Vor­stell­ung einer 'heilen Welt'. Die Ein­rich­tung der eigenen vier Wände spiegelt den Wunsch nach der Idylle eines gemüt­lichen Heims wider. Die Ein­rich­tung und Möblie­rung des Wohn­raums ist prak­tisch und häuslich ge­staltet - dem bürger­lichen Lebens­stil an­ge­passt. Das Zimmer in der Zeit des Bieder­meier diente nicht mehr der Repräsen­tation, sondern dem familiären Zu­sammen­leben.

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  • Biedermeier Möbel

     

    Biedermeier Möbel zeichnen sich durch klare Struk­turen mit weni­gen, schlichten Zier­elemen­ten aus. Die Formen­sprache der Möbel des Bieder­meier ist schlicht und klar. Ge­zeich­net durch stark verein­fachte klassizis­tische Ele­mente mit wenig oder keinem Dekor tritt die Mase­rung des Holzes aus­ge­sprochen prägnant in den Vorder­grund. Möbel der Bieder­meier­zeit sind schlicht gehal­ten, praktisch und den­noch harmo­nisch in den Propor­tionen - und zudem hand­werk­lich meist sehr gut ge­ar­beitet.

    Nach Vor­bildern aus Eng­land ent­stan­den die ersten Möbel dieser Art in Wien. Beson­deres Augen­merk wurde bei der Her­stell­ung auf die hand­werk­liche Quali­tät gelegt. Die großen und glatten Ober­flächen beto­nen aus­gesprochen intensiv die natür­liche Wirkung der Holz­mase­rung. Diese Flächen wurden meist poliert, um die Maserung noch weiter in den Blick des Be­trach­ters zu rücken.

    Bis auf die Lyraform als ein be­liebtes Zier­motiv sind wenig klassizis­tische Orna­mente ver­wen­det worden. Das Lyra-Motiv (Leier, Saiten­instru­ment) wurde neben der Aus­bil­dung als Orna­ment beispiels­weise bei Tischen als Ver­bin­dung zwischen Tisch­platte und Basis in Form einer Lyra ge­staltet - wie auch bei Rücken­lehnen von Stühlen. Die ver­wende­ten Be­schläge waren oft sehr schlicht und un­auf­fällig ge­halten.

    Der Tisch mit einer meist runden oder ovalen Platte und schwerem Mittel­fuß war ein wichtiges Möbel­stück der Bieder­meier­zeit. Ebenso die Bieder­meier Kommode in ihrer klassizis­tisch schlichten Form mit drei tiefen Schub­laden im Unter­teil und einer flachen Schub­lade im leicht vor­sprin­genden Ober­teil. Häufig an den Seiten von zwei schwarz ge­beiz­ten Säulen ge­säumt. Darüber hinaus war der Vitrinen­schrank mit Glas­türen im Ober­teil - oft auch als Eck­schrank aus­geführt - sehr be­liebt. Funkti­onale Möbel wie Sekre­täre, zier­liche Stühle, Sofas und diverse Klein­möbel für spe­zielle Tätig­keiten wie beispiels­weise Näh­tischchen waren ge­fragte Möbel für die Ein­rich­tung eines Bieder­meier­zimmers.

    Ab 1830 verliert das Bieder­meier im Über­gang zum Spät-Bieder­meier zu­neh­mend an Schlicht­heit. Ansätze des auf diese Epoche folgen­den Historis­mus bis hin zur Gründer­zeit werden zu­nehm­end deut­licher.

    Eine Sonder­stellung in der Epoche des Bieder­meier und der Folge­zeit nimmt der Kunst­tischler Michael Thonet ein. In Boppard am Rhein experi­men­tierte er bereits in seiner ersten Werk­statt mit Bug­holz­techniken. Um 1830 ent­stan­den dann die ersten Ent­würfe mit ge­boge­nem Schicht­holz, die dann hin zum so­genann­ten 'Wiener Kaffee­haus-Stuhl' von 1859 weiter­ent­wicklet wurden.